Aus Beispielen Lernen: "Social Stories"

Es gibt viele Situationen, die durch Missverständnisse Menschen mit Autismus Probleme bereiten. Viele davon kommen im Alltag aber immer wieder vor: Das heißt, man kann bei Ihnen aus Fehlern lernen. Aber nicht immer muss ein Fehler erst passieren. Man kann Situationen auch simulieren. Eine Möglichkeit dafür sind die sogenannten „Social Stories“.

Was sind Social Stories?

Im Grunde müssten wir in diesem Artikel eigentlich jedes Mal „Social Storiestm“ schreiben, weil Carol Gray, die den Begriff im Jahr 1991 prägte, sich die Bezeichnung hat rechtlich schützen lassen. In Deutschland werden sie aber auch manchmal schlicht als „soziale Anleitungen“ bezeichnet. Aber worum geht es in diesen Geschichten? Grundsätzlich können Social Stories alles Mögliche als Inhalt haben. Denn was sie ausmacht, ist nicht ihr Inhalt, sondern ihre Funktion: Sie beziehen sich stets auf mögliche Probleme des Alltags und zeigen, wie diese Probleme am besten gelöst oder komplett vermieden werden können. Dabei können sie helfen, Selbstversorgungsfähigkeiten wie Zähneputzen oder Anziehen schneller zu lernen, aber auch kompliziertere soziale Situationen aufzeigen und entschlüsseln, indem sie zum Beispiel verschiedene Perspektiven auf diese Situationen darstellen.

Wie sind sie aufgebaut?

Um möglichst klar und lehrreich zu sein, sollten Social Stories individiell an Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Autismus angelehnt werden. Sie in einfacher Sprache geschrieben und in einer klaren Struktur, die u.a. folgendes beinhaltet:

  • Eine Situation, an der man etwas ändern möchte
  • Personen, die in dieser Situation etwas spezielles Denken und Fühlen
  • Ratschläge wie man sich richtig verhält, bzw. Wer einem helfen kann
  • Eine Erklärung, warum das richtige Verhalten wichtig ist

Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass alles positiv beispielhaft und ohne Zwang beschrieben wird. Es handelt sich nicht um eine starre Regelbeschreibung mit den Worten „man soll“ oder „man muss“. Statt also zu sagen „Niemals allein über die Straße gehen!“, heißt es in Social Stories: „Ich nehme die Hand eines Erwachsenen, bevor ich über die Straße gehe“.

Die Geschichten müssen auch nicht immer reiner Text sein: Kleine Comic-Darstellungen können ihrerseits helfen, Situationen und Emotionen klarer darzustellen.

Sinn und Zweck

Die Geschichten dienen also dazu, bestimmte Nachteile auszugleichen bzw. zu verringern, indem nicht nur einzelne, losgelöste Aspekte beschrieben werden, sondern ganze Beispielsituationen. Diese Beispiele sind spezifisch genug, dass die enthaltenen Informationen leicht in einzelnen Situationen angewendet werden können. Der Vorteil: Die Geschichten stellen die Situationen wesentlich konkreter da, als sie beim tatsächlichen Erleben aus einer einzelnen Perspektive wahrgenommen werden können. Das ermöglicht es Menschen mit Autismus, bestimmte Details in diesen Geschichten klar zu erkennen, die sie im alltäglichen Umgang mit anderen manchmal nicht wahrnehmen. Richtig angewendet können sie so Sicherheit im Alltag geben und mit Hilfe von Theorie Kompetenzen vermitteln, die durch Praxis allein schwerer zu erreichen wären.

 

 

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