Autismus und Multitasking

Multitasking ist die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, parallel an mehreren Aufgaben zu arbeiten. Es ist meist schwierig und anstrengend, sowohl für Menschen mit als auch ohne Autismus, kann aber auch viel Zeit sparen. Vielen Menschen gerade mit Asperger-Autismus fällt Multitatking besonders schwer. Aber es gibt Strategien, die helfen.

Aufmerksamkeit teilen ist schwierig

Es gibt zwar Menschen, die mit dieser Art Anstrengung besonders gut umgehen können, sei es durch Talent oder Übung. Und das Klischee, dass Frauen darin besser sind, als Männer, wird auch regelmäßig in verschiedenen Studien zumindest statistisch erwiesen. Das ändert aber eine Tatsache nicht: Multitasking benötigt besonders mehr Konzentration und ist auf Dauer anstrengender, als Aufgaben nacheinander zu bearbeiten.

Übrigens kommt es beim Multitasking in den allerseltensten Fällen vor, dass die Aufgaben wirklich zu 100% gleichzeitig durchgeführt werden. Meist bezeichnet Multitasking viel mehr lediglich einen sehr schnellen Wechsel von einer Aufgabe zur anderen und zurück. Dieser ständige Wechsel ist für Menschen im Autismus-Spektrum besonders schwierig, da sie meist das routinemäßige Abarbeiten von Aufgaben nacheinander bevorzugen.

Multitasking braucht Filter

Der wohl wichtigste Grund, warum Multitasking für Autisten schwierig ist, liegt an ihrer Wahrnehmung der Welt, die weniger gefiltert ist als bei Menschen ohne Autismus. Wenn das Gehirn Wahrgenommenes weniger filtert, helfen klare Aufgabenstrukturen bei der Interaktion mit der Welt – und eben diese Aufgabenstrukturen löst Multitasking auf, indem verschiedene Aufgaben ständig ineinandergreifen.

Im Alltag von Menschen gerade mit Asperger-Autismus macht sich das manchmal dadurch bemerkbar, dass ihre zwischenmenschliche Kommunikation von anderen als auffällig knapp und mitunter unhöflich wahrgenommen wird, wenn sie mit anderen Aufgaben beschäftigt sind. Kommunikation mit anderen fordert relativ viel Aufmerksamkeit, die dann fehlt, wenn sie ihre Konzentration anderen Aufgaben widmen. Zusätzlich dann noch ein Gespräch zu führen stellt dann Multitasking dar und wird oft als Belastung empfunden, denn viele Teilprozesse von Gesprächen laufen bei Menschen mit Autismus nicht so „automatisch“ ab wie bei Neurotypen. Weil man sie nicht auf die zusätzliche Aufgabe konzentrieren kann, wird z.B. nicht auf erlernte Höflichkeit geachtet, was manche Menschen ungewollt kränken kann.

Tipp: Filter ersetzen durch Struktur

Wie in vielen Bereichen des Lebens können Struktur und vor allem auch Training helfen, wahrgenommene Handicaps auszugleichen. Reizfilter lassen sich leider nicht „erlernen“ – darum gilt es, Aufgaben so zu strukturieren, dass man mit ungewollten Reizen besser umgehen kann. Ist man auf eine Eventualität vorbereitet, kann man nicht nur schneller darauf reagieren, sondern fühlt sich auch weniger unter Druck gesetzt, wenn die Eventualität einsetzt.

Als Beispiel geeignet ist ein Telefonanruf: Viele Menschen (nicht nur mit Autismus) fühlen sich sehr unwohl, wenn plötzlich das Telefon klingelt. Der unerwartete Aufruf zur Kommunikation – noch dazu durch einen zum Zeitpunkt des Klingelns noch anonymen Fremden – verursacht oft Stress. Am besten plant man daher seine Handlungen für den Fall eines Telefonanrufes genau vor, z.B. durch eine feste Struktur von Abläufen beim Telefongespräch. Hier kann eine Checkliste neben dem Telefon helfen, die gliedert (z.B. Begrüßen, Namen nennen, fragen worum es geht). Man kann sogar bereits vorformulierte Sätze verwenden – Wirklich bemerken werden das nur diejenigen, die öfter anrufen, und die kennen einen hoffentlich gut genug, um zu begreifen, warum man sich immer gleich meldet. Ist das Telefongespräch so vorstrukturiert, ist es viel leichter, nebenbei sogar noch etwas anderes zu tun.

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