Autismus und WG-Leben

Das Leben in Wohngemeinschaften kann stressig sein. Ob spezielles Projekt oder eigene Wohnung: Menschen mit Autismus stehen hier häufig vor besonderen Herausforderungen.

Drei WG-Arten

Wenn man von Wohngemeinschafts-Leben mit Autismus spricht, gibt es hauptsächlich drei verschiedene Systeme, auf die diese Beschreibung zutrifft:

  1. Spezielle betreute Wohnprojekte für Autisten, in denen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, direkt jederzeit vor Ort die Hilfe bekommen können, die sie benötigen.
  2. Das sogenannte „ambulante betreute Wohnen“ im Rahmen einer WG: Menschen mit einer Beeinträchtigung aus dem Autismus-Spektrum haben hier die Gelegenheit in einer Wohngemeinschaft zu wohnen. Sie haben eine selbstgemietete Wohnung bzw. Zimmer mit eigenem Mietvertrag, erhalten dabei aber regelmäßig Unterstützung durch eine ambulante Betreuung.
  3. Nicht alle Menschen aus dem Autismus-Spektrum brauchen fürs WG-Leben regelmäßig professionelle Unterstützung. Menschen mit Asperger-Syndrom leben mitunter erfolgreich in WGs entweder mit neurotypischen Mitbewohnern, aber auch manchmal mit anderen aus dem Autismus-Spektrum zusammen, wobei alle Mitbewohner sich weitgehend unabhängig von professionellen Stellen soweit gegenseitig unterstützen können, dass der Alltag problemlos ablaufen kann.

Der Alltag im Zusammenleben mit anderen

Alle Menschen haben im alltäglichen Leben ihre eigenen, persönlichen Bedürfnisse. Bei Menschen mit Autismus gehört in den allermeisten Fällen hierzu die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können, also spezielle Rückzugsräume zu haben, in denen man allein für sich sein kann. Gerade WGs sind allerdings zumindest laut typischen Klischees dafür verrufen, dass die einzelnen Mitbewohner oft „aufeinanderhocken“. Das bedeutet, dass gerade in kleinen WGs, sei es durch die Hektik des Alltags, verschiedene Tagesrhythmen oder schlichtweg zu wenig Platz, solche Rückzugsräume oft nicht immer zu finden sind. Bei Wohngemeinschaften für und mit Menschen mit Autismus ist es deshalb besonders wichtig, solche Dinge vorzeitig zu klären: Wer kann sich im Zweifelsfall wohin zurückziehen?

Autisten unter sich

Gerade in speziellen Wohnprojekten leben Autisten mit anderen Autisten zusammen. Aber auch in der eigenen WG tun sich nicht selten besonders Menschen mit Asperger-Syndrom zusammen, um gemeinsam den Alltag zu bewältigen. Die Vorteile: Sie wissen genau, welche Bedürfnisse der oder die Mitbewohner/in(en) haben, denn sie selbst teilen diese Bedürfnisse. Rückzugsräume sind damit meist von vornherein gegeben. Ein Leben als Autist mit Autisten kann auch im alltäglichen Umgang miteinander von Vorteil sein: Zwar wird der Gesprächseinstieg von vielen als schwieriger empfunden, ist die Unterhaltung jedoch erst einmal im Gange, wird sie oft als entspannter empfunden als Gespräche mit Nicht-Autisten. Denn Dinge wie unausgesprochene Smalltalk-Regeln fallen hier weitestgehend weg. Beide Gesprächspartner können das sagen, was sie meinen, können „sie selbst sein“, ohne auf bestimmte Umgangsformen und Höflichkeitsfloskeln achten zu müssen. In solchen WGs, in denen Autisten unter sich sind, geht es oft deutlich geordneter zu als in Wohngemeinschaften von Neurotypen. Das gemeinsame Zusammenleben besteht häufig aus gemeinsamen Essen und ruhigem Filmeschauen.

Ein Möglicher Nachteil einer solchen Konstellation ist, dass sich möglicherweise Situationen ergeben können, die allen WG-Bewohnern gleichzeitig große Schwierigkeiten bereiten. Ob für die Lösung des Problems dann zwingend eine externe Unterstützung notwendig ist, hängt stets vom Einzelfall ab.

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