Autisten im Job: Was funktioniert und was nicht

Autisten haben oftmals Probleme, Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, obwohl sie, auch im Vergleich zu nicht autistischen Menschen, über viele Stärken verfügen. Dennoch konnte in den letzten Jahren diesbezüglich eine insgesamt positive Entwicklung festgestellt werden.

Die richtigen Jobs für Autisten

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Das gilt auch für Autisten sowie die jeweilige Ausprägung ihrer autistischen Charakterzüge. Wenn hier also im Folgenden von Vor- und Nachteilen gesprochen wird, die Menschen mit Autismus im Job haben, dann sind auch diese immer individuell und nicht aufgrund des Autismus pauschal zu betrachten. Ein möglicher Vorteil ist z.B. die häufige Neigung von Menschen im Autismus-Spektrum, mehr auf rein rationale Entscheidungen zu setzen, statt Entscheidungen nach dem Bauchgefühl zu treffen. Gerade bei Jobs, in denen gründliches Überlegen gefragt ist und spontane Entscheidungen problematisch werden können, können Autisten also durchaus im Vorteil sein. Wie zum Beispiel bei Jobs im IT-Sektor. Insbesondere in diesem Bereich haben Autisten in den letzten Jahren immer häufiger Anstellungen finden können. Ihr oft sehr gutes Verständnis von Zahlen, gründliches Arbeiten  und analytisch-logisches Denken ist hier für viele Arbeitsplätze wie geschaffen. Hinzu kommt, dass Arbeitsplätze im IT-Bereiche eine oftmals vorhersehbare Struktur und klare Arbeitsaufträge bieten. Spezielle Unternehmen wie Auticon aus Berlin haben sich sogar das Einstellen und Vermitteln autistischer Arbeitskräfte im IT-Sektor direkt zum Ziel gesetzt. Abgesehen von dem IT-Sektor etablieren sich aber auch zunehmend Menschen aus dem Autismus-Spektrum im künstlerisch-kreativen Bereich, da sie aufgrund ihrer „anderen“ Wahrnehmung auch hier interessante und alternative Beiträge leisten können.

Meist besonders schwierig: Der Einstieg

Oftmals stellt aber bereits ein Vorstellungsgespräch viele Autisten vor eine kaum lösbare Herausforderung. Zu ehrliche Antworten können genauso zum Problem werden, wie mangelnder Blickkontakt oder kommunikative Missverständnisse (Verwendung von Metaphern etc.).

Hier hat jedoch der allgemein wachsende Bekanntheitsgrad von Autismus zu einer positiven Veränderung geführt. Autismus ist mittlerweile weniger unsichtbar in der Gesellschaft und auch in den Medien angekommen (Siehe auch: http://www.hermes-anderswelt.de/blog/ist-autismus-in-den-medien-angekommen). Viele potentielle Arbeitgeber wissen daher heutzutage, welche Besonderheiten Autisten mitbringen. Häufig hilft ihnen dieses Wissen, das Bewerbungsgespräch richtig zu bewerten bzw. bereits hier entsprechend Rücksicht auf die Besonderheiten zu nehmen.

Manche Branchen sind einfach ungeeignet

So wie viele Autisten Stärken haben, machen sich natürlich auch Schwächen bemerkbar, welche in direktem Zusammenhang mit der Behinderung stehen. So fallen Smalltalk und sonstige, soziale und zwischenmenschliche Kontakte am Arbeitsplatz Menschen im Spektrum oftmals schwer. Hinzu kommt die eingeschränkte Fähigkeit, Reize entsprechend zu filtern, was für einen Autisten im Vergleich zu einem Neurotypen eine vermehrte Anstrengung erfordert. Die Schaffung einer reizarmen Arbeitsatmosphäre ist also ein möglicher Schlüssel für eine gelingende Inklusion am Arbeitsplatz.

Als Fazit kann man also grundsätzlich festhalten, dass Autisten in der Regel planbare Bereiche, die logisch analytische Aufgaben bearbeiten, repetitive Muster bieten und wenig Zeitdruck beinhalten leichter fallen. Arbeitsplätze, an denen es oft hektisch und unvorhersehbar wird und zwischenmenschlicher Kontakt im Vordergrund steht, sind für Autisten hingegen oft schwieriger.

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