Körperkontakt unerwünscht: Autisten und Nähe

Für die meisten Menschen ist Körperkontakt und Nähe zu anderen ein ganz normaler Teil des Lebens, über den man nicht viel nachdenkt, auf welchen man jedoch nicht verzichten möchte. Doch nicht allen Menschen geht es so. Innerhalb des Autismus-Spektrums gibt es einige Autisten, bei denen Körperkontakt unerwünscht ist und sogar negative Reaktionen auslösen kann. Dies ist jedoch keinesfalls allgemein für alle Autisten gültig.

Warum ist Nähe für manche Autisten so schwierig?

Umarmungen, Küssen, ein Streicheln über den Kopf, wie man es häufig bei Kindern macht – all dies ist für manche Personen im Autismus-Spektrum unangenehm und unerwünscht. Bisweilen erfolgt sogar heftige Gegenwehr, wenn Körperkontakt nicht gewollt ist, aber jemand diese Grenze überschreitet. Dies trifft nicht automatisch auf alle Autisten zu, dennoch ist es ein häufig zu beobachtendes Merkmal, das menschliche Nähe bewusst gemieden wird.

Betroffene Autisten haben jedoch gute Gründe für dieses Verhalten. Aufgrund der anderen Wahrnehmung, reagieren viele Autisten sehr empfindlich auf bestimmte Reize. Welche Reize dies sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Für die Autisten, die Körperkontakt meiden, hängt dies oftmals damit zusammen, dass sie extrem empfindlich auf Berührungen reagieren. Eine federleichte Berührung könnte beispielsweise derart extrem und unangenehm wahrgenommen werden wie eine Verbrennung. Zwingt man einem Autisten in diesem Fall durch eine Umarmung Nähe auf, kommt es zu einer unangenehmen Überreizung.

Das Meiden des Körperkontakts und von Nähe ist also an potenzielle Überreizungen gekoppelt, die durch Berührungen entstehen könnten und extrem belastend für die autistische Person sind.

Vorurteil – nicht alle Autisten meiden Nähe

Das alle Autisten grundsätzlich keine körperliche Nähe möchten, ist jedoch eine falsche Annahme. Ganz im Gegenteil gibt es auch Autisten, die besonders viel Körperkontakt suchen und beispielsweise sehr verschmust sind. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Autisten zwar keine Berührungen von anderen möchten, damit jedoch weniger ein Problem haben, wenn die Suche nach Nähe – gewissermaßen zu ihren Bedingungen – von ihnen selbst ausgeht.

Viele Autisten leben in einer Beziehung und haben Kinder. Im Familienalltag wird nicht auf Körperkontakt verzichtet, nur wird dieser Aspekt des Familien- und Beziehungslebens unter Umständen „anders“ ausgelebt als bei neurotypischen Personen.

Grundsätzlich ist es so, dass man Autisten den Verzicht auf Nähe zugestehen muss, wenn dies gewünscht ist, aber es darf auch keine Verallgemeinerung stattfinden, da jeder Autist individuell anders veranlagt ist was Körperkontakt und Nähe betrifft.

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