Gerüchte über Autisten, die sich hartnäckig halten, aber völlig falsch sind

In den letzten Jahren wurde das Thema Autismus zunehmend öffentlich diskutiert. Die meisten Menschen haben daher mittlerweile zumindest ein grobes Verständnis davon, was Autismus ist. Trotzdem kursieren noch immer viele Fehlinformationen zu seinen verschiedenen Formen und wie sie sich manifestieren. Hier fünf von diesen Irrtümern, die besonders weit verbreitet sind.

Gerücht: „Autismus ist heilbar“

Immer wieder tauchten und tauchen mitunter bizarre Methoden auf, die versprechen Autismus heilen zu können. Eine davon war beispielsweise die sogenannte „Festhaltetherapie“. Hierbei wurde Eltern angeraten, ihre autistischen Kinder fest zu umarmen – auch trotz Gegenwehr – in der Hoffnung, dass das Kind irgendwann seinen Widerstand einstellt und dann fälschlicherweise „geheilt“ genannt werden kann. Mittlerweile ist bekannt, wie grausam dieses Verhalten war. Denn viele Menschen im autistischen Spektrum empfinden zu viel Körperkontakt als unangenehm. Das ist aber nicht das Resultat einer Krankheit, sondern an einer außergewöhnlichen, angeborenen Hirnstruktur. Dass die Festhaltetherapie autistischen Kindern gegenüber grausam war, bedeutet natürlich nicht, dass nicht gezielte, richtige und frühzeitige Therapiemethoden dabei helfen können, Autisten einen leichteren Einstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Gerücht: „Alle Autisten sind Genies“

Dieser Irrglaube wurde wohl hauptsächlich durch den Film „Rain Man“ von 1988 etabliert, in dem Dustin Hoffman einen Autisten spielt, der außergewöhnliche mathematische Fähigkeiten hat. Zwar gibt es unter Autisten auch die sogenannten „Inselbegabten“ oder „Savants“, die mit teilweise erstaunlichen Fähigkeiten glänzen. Das ist aber genau wie bei Neurotypen eher die Ausnahme als die Regel. Es wird davon ausgegangen, dass etwa die Hälfte aller bekannten Inselbegabten Autisten sind. Das bedeutet zwar, dass der Anteil an Inselbegabten innerhalb der autistischen Bevölkerung statistisch größer ist. Angesichts der sehr geringen Zahl von Inselbegabten weltweit ist die absolute Zahl jedoch noch immer sehr gering.

Gerücht: „Impfungen können Autismus auslösen“

Die 1998 in den USA erschienene Studie, die diese Behauptung aufstellte, ist mittlerweile durch hunderte von Folgestudien immer und immer wieder widerlegt worden. Trotzdem hält sich das Gerücht vor allem in den USA hartnäckig. Es wird vermutet, dass unter anderem diese Hartnäckigkeit ein ausschlaggebender Grund war, dass amerikanische Eltern seltener ihre Kinder gegen Masern impfen ließen, was der Krankheit 2014 fast zu einer erneuten, flächendeckenden Ausbreitung in den USA verhalf. Diese Ausbreitung konnte nur knapp durch schnelle Gegenmaßnahmen verhindert werden.

Gerücht: „Autisten haben keine Gefühle“

Die Tatsache, dass es Autisten oft schwer fällt die eigenen Gefühle auszudrücken und die Emotionen anderer Menschen anhand von deren Mimik und Gestik zu erkennen, wird häufig so interpretiert, dass Autisten Gefühle nicht verstehen. Das ist aber schlichtweg falsch. Natürlich haben Menschen mit Autismus Gefühle und natürlich verstehen sie die Konzepte, die hinter bestimmten Emotionen stehen. Einzig die Fähigkeit, diese ohne aktives Nachdenken in den Gesichtern anderer, also allein durch „automatische Wahrnehmung“ zu erkennen, ist durch die besondere Art, in der Autisten die Welt wahrnehmen, beeinträchtigt. Dafür fallen Autisten oft andere Details auf, die neurotypische Menschen kaum wahrnehmen.

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