Kommunikation geht auch anders – wie die nonverbale Kommunikation gelingt

Beim Stichwort Kommunikation denken viele immer nur an das klassische Gespräch. Doch Kommunikation ist so viel mehr; es ist der Austausch oder die Vermittlung von Gedanken und Informationen durch Körpersprache, Gesten und Mimik. Nonverbale Teile der Kommunikation werden oft vergessen – spielen aber eine umso wichtigere Rolle, wenn jemand nicht spricht oder nicht sprechen kann.

Gründe für das Schweigen

Von dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick stammt der berühmte Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Die doppelte Verneinung macht klar: Es gibt keine Lebenslagen, in der wir nicht auf irgendeine Art und Weise kommunizieren. Denn auch das Schweigen kann eine Bedeutung haben. Zudem teilt sich jeder, ob bewusst oder unbewusst, die ganze Zeit mit bestimmten Gesten und der Mimik seiner Umgebung mit.

Das wird umso wichtiger, wenn eine Person nicht sprechen kann oder will. Dafür kann es verschiedenste Gründe geben. Bei den einen steckt ein persönliches Problem oder ein vergangenes, möglicherweise traumatisches Ereignis dahinter, oder eine Kommunikationsstörung in Verbindung mit einer Sozialphobie. Bei anderen sind körperliche Aspekte und Beeinträchtigungen die Ursache für das Schweigen. Die einen sprechen von Geburt an nicht, andere verstummen an einem ganz bestimmten Zeitpunkt.

Wenn ein Mensch mit Autismus nicht spricht, liegt der Grund dafür häufig in der Form des Frühkindlichen Autismus, welcher auch „Kanner-Autismus“ genannt wird. Benannt nach Leo Kanner, einem Kinderpsychiater, der durch die ausführliche Beschreibung von Frühkindlichem Autismus bekannt wurde. Frühkindlicher Autismus ist nicht immer mit einer verbalen Einschränkung kombiniert. Aber in einigen Fällen sind die lautsprachlichen Fähigkeiten eingeschränkt, wodurch es zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung kommt, welche sich bei manchen später und bei anderen gar nicht mehr entwickelt.

Nonverbale Kommunikation bei Menschen mit Autismus

Wenn jemand Schwierigkeiten hat, sich verbal deutlich zu Wünschen und Anliegen zu äußern, kann das sowohl für den betroffenen Menschen als auch seine Angehörigen frustrierend sein. Dieser Frust kann bei Menschen mit Autismus in Einzelfällen zu einem Overload (Reizüberflutung) und dann zum Meltdown (Wutausbruch) führen. Diese Situationen sind sehr stressig für den Betroffenen und auch sein Gegenüber. Aus diesem Grund wird nonverbale Kommunikation wichtig – für ein gelingendes Miteinander und um Missverständnisse und Stresssituationen zu vermeiden.

Nonverbale Kommunikation ist im Prinzip eine Unterhaltung ohne das Artikulieren von Sprache mit Stimmbändern und Mund. Klingt im ersten Moment ein wenig kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Denn wie bereits erwähnt, kommuniziert ohnehin jeder von uns den ganzen Tag zusätzlich mit Gestik und Mimik, ohne dass wir es merken. Jede noch so kleine Geste oder Bewegung wird von anderen Menschen gelesen und oft auch unbewusst interpretiert. Neben Gestik und Mimik gibt es viele weitere Möglichkeiten, nonverbal zu kommunizieren. Denn im Prinzip bedeutet „non-verbal“ nur, dass die Kommunikation über das direkte Sprechen wegfällt – aber alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation mehr Bedeutung erhalten. So unterschiedlich die Gründe für das Schweigen sind, so unterschiedliche Möglichkeiten gibt es, auch nonverbal zu kommunizieren.

Externe Hilfsmittel

Neben den bereits genannten, ohnehin vorhandenen Ausdrucksarten wie Gestik und Mimik gibt es diverse weitere Hilfsmittel, die man für die nonverbale Kommunikation verwenden kann. Hier ein paar Beispiele:

  • Bildkarten: Mit Bildkarten kann die betroffene Person sich klarer ausdrücken und durch die Bilder kommunizieren. Bildkarten brauchen keine große Erklärung, sondern sind oft unmittelbar verständlich. Die Person, die sie nutzt, kann entweder selbst die passende Bildkarte zeigen, oder aus einer Auswahl von Karten auf das zeigen, was sie sagen will. Da das Tragen der Karten oder sogar Büchern oft zu schwer ist, gibt es diese inzwischen sogar als iPhone-App. Das macht es einfacher und unkomplizierter, sich auch in einer neuen Umgebung oder unterwegs gut zu verständigen.
  • Piktogramme: Auch hier geht es um eine visuelle Art der Kommunikation. Mit Piktogrammen können wesentliche Regeln bildlich dargestellt werden. Dabei werden zwei Bilder gezeigt, die bis auf einen Unterschied identisch sind. Damit wird kommuniziert, welche Variante die richtige ist und wie man sich verhalten sollte.
  • Talker: Der Talker ist ein Elektronisches Kommunikationsgerät, welches durch diverse Tastenkombinationen die Wünsche des Bedieners äußert.
  • Gebärdensprache: Neben der klassischen verbalen Unterhaltung ist die Gebärdensprache wohl die am weitesten verbreitete Art der Kommunikation. Zu diesem Thema finden Sie bereits zwei Artikel auf unserem Blog: „Wie wichtig Gebärdensprache für viele Autisten ist“ und „Als Erwachsender mit Autismus Gebärdensprache lernen“

Man hört nie auf zu lernen

Sicher ist: Es gibt nicht „die eine richtige“ Kommunikationsweise, sondern viele verschiedene. Wichtig ist nur, dass wir miteinander kommunizieren und uns auf die vielleicht andere Art der Kommunikation einlassen. Denn es gibt die verschiedensten Gründe, warum ein Mensch sich nicht verbal äußern will oder kann. Es braucht nur eine gewisse Flexibilität und Lernbereitschaft seiner Umgebung, sich auf eine andere Art der Kommunikation einzulassen. Dadurch kann man im Alltag sogar noch dazulernen und seinen Horizont erweitern.

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