Mit den Händen sprechen – Als Erwachsener mit Autismus Gebärdensprache lernen

Es wird viel geschrieben über den Erwerb von Gebärdensprache bei Kindern mit Autismus – doch wie sieht es bei Erwachsenen mit Autismus aus? Lohnt es sich die Gebärdensprache zu lernen, was kann das für Vorteile haben und ist es überhaupt machbar?

Gebärdensprache hilft gerade bei Schwierigkeiten

Generell ist anerkannt, dass nonverbale Menschen mit Autismus vom Erlernen der Gebärdensprache profitieren und so mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Das Erlernen der Gebärdensprache ist insbesondere für Kinder mit (und auch ohne) Autismus vorteilhaft. Denn Kinder lernen so schneller Zeichen zu geben als zu sprechen und können sich dadurch schneller verständigen, z.B. durch simple Gebärden wie „mehr“. Die Eltern wissen dann zum Beispiel sofort, wenn ihr Kind gerne mehr trinken möchte.

Aber wie sieht es bei Erwachsenen Menschen mit Autismus aus? Viele denken, sie würden Gebärden nicht lernen können, gerade wenn Schwierigkeiten wie ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen, Schwächen mit der Motorik oder auch Schwächen bei der Deutung von Gestik und Mimik vorhanden sind. Allerdings kann gerade hier die Gebärdensprache sehr helfen.

Vielfältige Vorteile

Erwachsene mit Autismus, die angefangen haben die Gebärdensprache zu lernen, berichten ganz positiv von ihrer Erfahrung. So hilft der in der Regel sehr stille Unterricht nicht nur denen, die Schwierigkeiten mit Reizüberflutung haben, sondern auch denjenigen, die eben ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen haben oder Probleme mit der Deutung von Körpersprache. Denn man lernt nicht nur eine neue Sprache, sondern auch die Körpersprache ganz neu und bekommt zusätzlich ein besseres Gefühl für die Motorik. Aus diesem Grund wird sogar gesagt, dass die Gebärdensprache dreidimensional sei: Sie besteht aus Gebärden, Körpersprache und Mimik.

Das Erlernen der Gebärdensprache hilft Menschen mit Autismus nicht nur sich in einer anderen Sprache zu verständigen, es hilft auch das Gegenüber besser zu verstehen, da die Deutung von Körpersprache weiterentwickelt wird. Die Kommunikation wird also zweiseitig gestärkt: das Mitteilen und das Verstehen profitieren. Des Weiteren wird das Gehirn auf zweierlei Weise stimuliert (durch die Sprache und das Gebärden) und nicht nur einseitig (durch die Sprache oder das Gebärden).

Dr. Stephen M. Edelson vom amerikanischen Autism Research Institute (Forschungsinstitut für Autismus) empfiehlt den Erwerb der Gebärdensprache, da diese, neben dem bereits genannten, auch das Verständnis der Syntax steigern soll und somit gesprochene Sprache verständlicher macht. Die Vorteile sind dementsprechend vielfältig und bringen reichlich Nutzen: das Verständnis wird gesteigert und die eigene Ausdruckskraft gefördert.

Nicht Aufgeben wenn es nicht sofort klappt

Geduld und Durchhaltevermögen sind das Wichtigste bei dem Erwerb einer jeden Fremdsprache und so ist es bei der Gebärdensprache. Gerade als Erwachsener kann es auch mal länger dauern, bis ein neues Wort in der Gebärdensprache erlernt ist. Aber die Geduld zahlt sich aus, denn das Erlernen eines jeden neuen Wortes beschleunigt das Lernen weiterer Wörter. Ein schwieriger Anfang sollte also nicht entmutigen, denn mit der Zeit wird es immer besser laufen.

Besonders bei Schwierigkeiten, seine eigenen Gedanken verbal zu formulieren, bringt das Gebärden sehr viel und ermöglicht regelrecht neue Kommunikationskanäle. So wird der Alltag immens erleichtert und gibt ein neues Selbstvertrauen und Selbstgefühl, wenn die Kommunikation verbessert wird.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog