Modernste Technik als Hilfe für Kinder mit Autismus

Eine Studie an der Stanford Universität untersuchte die Möglichkeit, mithilfe von „Google Glasses“ Kinder mit Autismus bei der Entwicklung ihrer sozialen Fähigkeiten zu unterstützen. Die Ergebnisse waren sehr positiv.

Was sind Google Glasses?

Google Glasses sind im Prinzip eine Brille, in der eine kleine Anzeige eingebaut ist, die der Träger oder die Trägerin immer vor Augen hat. Anders als beim Handy bleiben also zum einen beide Hände frei, zum anderen ist der Bildschirm immer sichtbar. Außerdem ist ein Lautsprecher integriert, der über Vibration funktioniert, also ohne, dass man sich etwas ins Ohr stecken müsste. Das Gerät wurde bereits 2014 der Öffentlichkeit verfügbar gemacht, wenn auch nur in den USA, ein weitreichender Erfolg blieb jedoch aus. Offiziell wurde die Entwicklung daher 2015 eingestellt, 2017 aber dann doch wieder fortgesetzt, da sie bei Firmen später doch relative Beliebtheit erlangten. Die Studie der Stanford Universität zeigt jetzt ihre potentielle Anwendbarkeit im medizinischen Bereich.

Das testete die Studie

Das Projekt der Stanford University School of Medicine sollte untersuchen, ob Kinder mithilfe der Unterstützung von Software, die imstande ist, Gesichter und Emotionen zu erkennen, diese selbst besser erkennen lernen könnten. Dazu wurde die Hightech-Brille von Google mit einem Handy verbunden, auf dem eine App lief, die durch Maschinenlernen mit hunderttausenden von Bildern imstande war, verlässlich acht verschiedene Emotionen auf Gesichtern zu erkennen. Diese Emotionen sind Fröhlichkeit, Traurigkeit, Wut, Ekel, Überraschung, Angst und Verachtung sowie ein neutraler Gesichtsausdruck.

Das sind zum einen Emotionen, die im Alltag sehr häufig vorkommen, zum anderen sind es Emotionen, die an ihrem Gesichtsausdruck vergleichsweise deutlich erkennbar sind. Neurotypische Kinder erlernen das im Normalfall ganz von selbst, Kinder mit Autismus benötigen hier gezielte Anleitung.

Spielerisches Lernen

Die Studie machte sich eine Tatsache zunutze: Kinder (und Menschen generell, mit oder ohne Autismus) lernen sehr gern spielerisch. Deshalb identifiziert die Brille nicht per Gesichtserkennung die in der Mimik enthaltenen Informationen und benennt die Emotion, sondern hilft mit einem visuellen oder akustischen Hinweis dem Träger oder der Trägerin lediglich dabei, die Emotion selbst zu benennen. Ein anderer „Spielmodus“ war das Erkennen von Emotionen, die zum Beispiel die Eltern gezielt in ihrer Mimik darstellten. Das Prinzip ähnelt dem in der Autismustherapie oft verwendeten Lernen mit Bildkarten, die Emotionen darstellen, nur dass das Lernen hier deutlich praxisnäher erfolgt und von der Technologie automatisch angeleitet wird.

Ergebnis: Sehr positiv

Die Ergebnisse der Studie zeigten eine sehr positive Entwicklung bei den Kindern. 14 Familien mit autistischen Kindern im Alter zwischen 3 und 17 Jahren testeten die Brille und ihre Software im Durchschnitt zehn Wochen lang. Von den 14 Familien berichteten nach Abschluss des Projekts zwölf, dass ihre Kinder nun merklich häufiger Blickkontakt aufnehmen würden. Die Kombination aus Anreiz und Förderung half den Kindern die Möglichkeit zu verinnerlichen, Emotionen auf den Gesichtern ihrer Mitmenschen zu erkennen.

Derzeit sind die in der Studie angewendeten Technologien allerdings noch nicht auf eine allgemeinere Anwendung übertragbar. Nicht zuletzt, weil die Brille von Google technisch noch immer nicht wirklich marktfähig ist, bzw. in ihrer aktuellen Version zu teuer für die meisten privaten Benutzer. Es muss in dieser Richtung weiter geforscht und experimentiert werden, aber die Studie zeigt, dass in technikbasierten Anwendungen für Menschen mit Autismus viel Zukunftspotential besteht.

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