Overload – Was es ist und was hilft

Vorbeifahrende Autos, laute Gespräche in großen Menschenmengen, dröhnende Musik – Wenn sich Sinnesreize ungefiltert anstauen, kann das gerade für viele Menschen im Autismus-Spektrum zu einer großen Belastung werden. „Overload“, d.h. Überladung bzw. Reizüberflutung ist sehr unangenehm – Es gibt jedoch Techniken, ihn zu vermeiden oder seine Auswirkungen zu mildern, die im Weiteren gezeigt werden.

Was Overload ist

Overload entsteht, wenn die Menge an Reizen, die auf eine Person einwirken (sensorischer, aber auch emotionaler Art) so stark zunimmt, dass sie zur Belastung wird. Sinnesreize werden bei Neurotypen im Normalfall sehr stark gefiltert, sodass nur ein Bruchteil von ihnen wirklich im Gehirn verarbeitet werden. Bei Autisten funktionieren diese Filter jedoch anders und es ist möglich, dass in bestimmten Situationen dermaßen viele Reize im Gehirn ankommen, dass eine Überforderung eintritt.

Wenn der resultierende Stress überhandnimmt, kann es im Ernstfall zu Meltdown und Shutdown kommen, mit denen ein Kontrollverlust einhergeht. Ein Meltdown sieht von außen betrachtet oft aus, als handele es sich um einen Wutausbruch des Betroffenen. Diese äußerliche Beschreibung ist jedoch falsch, denn mit Wut hat es nichts zu tun. Beim Shutdown hingegen verfällt der oder die Betroffene in eine Art Lethargie und ist meist einige Zeit nicht ansprechbar. Die Betroffenen sollten in beiden Fällen am besten beaufsichtigt werden ohne weiter auf sie einzudringen, denn das kann das Problem noch verstärken.

Was helfen kann: Sich distanzieren

Die simpelste Methode, einem Overload vorzubeugen, ist es, sich so schnell und diskret einer Stresssituation zu entziehen, wie möglich: Sobald man bemerkt, dass die Reize überhandnehmen. Wird es zu laut und zu hektisch gibt es häufig eine Möglichkeit sich an einen ruhigeren Ort zurückzuziehen. Leider ist das aber nicht immer möglich. In Fällen, bei denen die Stimuli von Menschen ausgehen, ein ehrliches Ansprechen des Problems bereits helfen.

Was helfen kann: Selbststimulation

Wenn es in bestimmten Situationen nicht möglich ist, sich problematischen Reizen zu entziehen, seien sie optischer, akustischer oder emotionaler Natur, hat es sich bei vielen Menschen mit Autismus als hilfreich erwiesen, diesen durch selbst erzeugte Stimuli entgegenzuwirken. Beispiele hierfür können das Aufsagen eines Reimes, leises Singen oder monotone Bewegungsabläufe wie Vor- und Zurückschaukeln sein. Was hilft, muss jeder selbst herausfinden. Die Idee dahinter besteht darin, dass unkontrollierten Reizen von außen kontrollierbare, selbst verursachte eigene Reize entgegengesetzt werden. Durch die Konzentration auf diese vertrauteren Reize haben manche Autisten erlernt, sich nicht nur präventiv vor Overload zu schützen, sondern sogar eine bereits aufkommende Reizüberflutung zu verhindern. Bei manchen helfen zusätzliche externe Stimuli wie warmes Wasser und vertraute Bilder.

Vorbeugung

Damit man nicht in kritische Situationen gerät, kann ein gut strukturierter Alltag helfen, sie von vorn herein zu vermeiden. Diese Struktur kann vielseitig sein: Zum einen räumlicher Natur, indem man sich bewusst Rückzugsräume sucht bzw. schafft, aber auch zeitlicher Natur, indem man etwa in alltägliche Prozesse gezielt Ruhepausen einplant, um eventuelle Belastungen abzubauen. Auch, wenn man sich regelmäßig mal etwas Zeit dafür nimmt, z.B. die eigene Wohnung auf störende Dauergeräusche und ähnliches zu untersuchen, die sich leicht entfernen lassen, kann sich die generelle Stressauslastung im Alltag merklich senken lassen.

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellten Tipps haben einigen Autisten geholfen, besser mit Overload umzugehen, aber jeder Mensch ist unterschiedlich. Es ist daher wichtig, verschiedene Ansätze auszuprobieren und für sich selbst herauszufinden, welche Strategien für einen selbst am besten funktioniert.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog