Sarkasmus und Ironie – Für Menschen mit Autismus unverständlich?

Wenn wir einem Gespräch etwas Charakteristisches beimessen wollen, bedienen wir uns gerne verschiedener Redemittel und Rhetorik. Dazu gehören auch Ironie und Sarkasmus, die dem Gesagten eine andere, oft witzig gemeinte Bedeutung geben. Aber wie verständlich sind Ironie oder Sarkasmus für Menschen mit Autismus?

Was versteht man unter Sarkasmus und Ironie

Sarkasmus und Ironie sind Ausdrucksmöglichkeiten im Gespräch, die dem Gesagten eine unterhaltsame Bedeutung geben sollen. Sarkasmus ist dabei noch eine Spur stärker. Die Wirkung von Sarkasmus wird auch oft als Spott und Hohn bezeichnet. Ein Redner nutzt Sarkasmus, um das Ziel seines Spotts lächerlich zu machen. Diese sarkastisch geäußerten Aussagen können direkt und indirekt sein.

Ironie hingegen ist ein Stilmittel, bei dem man das Gegenteil von der Wortbedeutung des Gesagten mitteilt. Das wird meist über den Tonfall und begleitende Gestik oder Mimik deutlich gemacht. Ironische Aussagen müssen jedoch, im Gegensatz zu sarkastischen, nicht herabwürdigend sein. Diese Art der Kommunikation soll einem Gespräch einfach etwas Lustiges, Humorvolles oder Entspanntes verleihen.

Welchen Einfluss haben Ironie und Sarkasmus im Gespräch

Sowohl Ironie als auch Sarkasmus sind Möglichkeiten, den eigenen Humor ins Gespräch einzubringen. Dabei spielt nicht nur das Gesagte, sondern auch die Mimik und Gestik eine wichtige Rolle. Möchte man verdeutlichen, dass eine bestimmte Aussage nicht ernst, sondern ironisch gemeint ist, passt man auch den Ton und den Gesichtsausdruck an und baut noch ein Lächeln mit in die Rede ein.

Dass dabei Missverständnisse entstehen, ist keine Seltenheit. Denn die Signale für Sarkasmus und Ironie setzt jeder Mensch anders ein und manche provozieren bewusst eine Reaktion, indem sie ironisch gemeinte Aussagen ganz bewusst mit sehr ernstem Gesichtsausdruck sagen. Wenn man die Person nicht gut kennt, führt das ganz oft zu Missverständnissen, manchmal aber auch gerade dadurch zum Lachen. Humor ist eben immer auch eine Frage des Geschmacks und der Persönlichkeit (Lesen Sie hierzu auch gerne unseren Artikel „Haben Menschen mit Autismus Humor?“).

Wortwörtliche Deutung

Neurotypische Menschen bedienen sich des Sarkasmus‘ und der Ironie sehr oft in Gesprächen. Menschen mit Autismus sind wiederum für ihren Wahrheitssinn bekannt, sowie für ihr wortwörtliches Verständnis des Gesagten. Ironie und Sarkasmus lassen sehr viel Interpretationsraum, was für einen Menschen im Spektrum oft verwirrend sein kann. Wenn dann die Interpretation der Mimik schwerfällt, kann eine ironisch gemeinte Aussage von einem Menschen mit Autismus schnell missverstanden bzw. wortwörtlich gedeutet werden.

Diese Schwierigkeit betrifft allerdings auch Neurotypen, weil die Signale für Sarkasmus und Ironie wie gesagt von Person zu Person unterschiedlich sein können. Menschen mit Autismus müssen sich nur häufig in höherem Maße antrainieren, diese Signale zu erkennen.

Sarkasmus und Ironie verstehen lernen

In der Kommunikation kann das Erkennen von Ironie und Sarkasmus hilfreich sein. Viele Menschen mit Autismus erlernen im Laufe ihres Lebens ohnehin, andere Menschen auch anhand ihrer Mimik und Gestik zu interpretieren. Zusätzlich lernt man bestimmte Wörter oder Floskeln, die verbreitet sind und deren Bedeutung nicht direkt erkennbar sind.

Bei Ironie und Sarkasmus ist die Herausforderung noch größer, weil die Signale selten systematisch kategorisiert werden können. Eine ironisch oder sarkastisch gemeinte Aussage unterliegt keinen festen Regeln. Die Aussage ist vom Redner und der Situation abhängig und somit oft mit Verständnisschwierigkeiten verbunden – allerdings gilt das auch für Neurotypen.

Zusätzlich werden erlernte ironische oder sarkastische Aussagen von Menschen mit Autismus nicht immer an der richtigen Stelle wiedergegeben. Manchmal kann es vorkommen, dass eine ironische Aussage an einer falschen Stelle, oder zu einem nicht zugehörigen Inhalt des Gesprächs, gemacht wird. Der Grund dafür kann in der wortwörtlichen Gesprächsdeutung liegen. Das zu wissen, kann wiederum Neurotypen helfen, solche Aussagen richtig einzuordnen.

Der Umgang mit Humor

Ironie und Sarkasmus sind nur eine mögliche Art der zwischenmenschlichen Kommunikation. Im Gespräch mit Menschen mit Autismus kann es hilfreich sein, dass sarkastische oder ironische Aussagen sprachlich deutlich gemacht werden. Es mag sein, dass dies nicht der eigentliche Sinn von Ironie oder Sarkasmus ist. Aber dadurch können Missverständnisse von beiden Seiten vermieden werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass solche Stilmittel immer das Potential mitbringen, missverstanden zu werden.

Das ist aber auch nicht weiter schlimm, so lange man dadurch entstandene Missverständnisse aufklärt – und dann darüber lachen kann. Denn das sollte ja das eigentliche Ziel sein: Ein Thema oder Gespräch durch Humor aufzulockern und gemeinsam darüber zu lachen.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog