So kann man Kindern Autismus erklären

Selbst Erwachsenen gegenüber kann es schwierig sein zu erklären, was genau Autismus ist. Kindern gegenüber muss man die Sache noch anders angehen. Aber durch den richtigen Umgang mit dem Thema kann man auch ihnen ein gutes Verständnis vermitteln – Und dadurch auch einen aufgeschlossenen Umgang mit Menschen allgemein.

Die richtigen Worte finden

Wenn man Kindern erklären möchte, was Autismus ist, sollte man sie nicht durch übermäßig kompliziertes Vokabular abschrecken. Komplexe Begriffe wie „neurotypisch“, „soziale Interaktion“ und „Autismus-Spektrum-Störung“ sind gerade bei jüngeren Kindern zu meiden. Die Kategorien, in denen Kinder denken, sind noch nicht so feinstufig ausgeprägt wie die von Erwachsenen. Daher kann es generell bei Erklärungen Kindern gegenüber hilfreich sein, auf allzu feingliedrige Differenzierungen zu verzichten. Es gilt zunächst erst einmal ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ein Unterschied besteht, bevor dieser näher definiert werden kann.

Hier helfen klare Abgrenzungen – selbst, wenn diese im ersten Ansatz übertrieben sind oder sogar politisch allgemein als unkorrekt gesehen werden können. „Menschen aus dem Autismus-Spektrum“ von „Neurotypen“ zu unterscheiden ist im Diskurs zwischen Erwachsenen durchaus ein sinn- und respektvoller Ansatz. Kinder müssen an diese Begrifflichkeiten jedoch zunächst herangeführt werden. Die Unterscheidung „normal“ und „besonders“ ist eigentlich nicht ganz korrekt, als erster Ansatz für Kinder jedoch um ein Vielfaches verständlicher. Sind Konzepte erstmal grundlegend durch solche Kontraste begriffen, können später feinere Differenzierungen erklärt werden.

Auch sollten, wenn man Kindern Autismus erklärt, nicht nur die Unterschiede im Vordergrund stehen. Anhand von Beispielen gilt es zu erklären, dass viele Autisten Muster und Regeln besonders wertschätzen und deswegen eben nicht auf andere Menschen so direkt zugehen, wie die Kinder es aus dem eigenen Alltag vielleicht gewohnt sind.

Spielerisch Wahrnehmungsunterschiede erklären

Das oberste Ziel sollte sein, den Kindern durch die Beschäftigung mit dem Thema Autismus einen möglichst respektvollen Umgang zu ermöglichen. Die Erklärung sollte daher zunächst pragmatisch dahingehend ausgelegt sein. Kinder lernen durch Beispiele und Vergleiche. Es hilft also die andere Wahrnehmung von Menschen mit Autismus mit anderen Arten veränderter Wahrnehmung zu vergleichen. Ein blindes Kind kann nicht sehen. Dieser Zustand lässt sich durch ein einfaches Rollenspiel Kindern näherbringen, etwa sich mit verbundenen Augen im Raum zurecht zu finden. So erlernen die Kinder spielerisch, mit welchen Problemen Kinder mit Sehbehinderungen im Alltag zu kämpfen haben.

Bei Autismus sind die Unterschiede in der Wahrnehmung der Welt natürlich nicht so klar und deutlich abgrenzbar wie zwischen blinden und sehenden Menschen. Aber das Konzept etwas nicht zu sehen, was man normalerweise sieht, lässt sich relativ einfach auf soziale Interaktion übertragen. Neurotypen Kindern kann man anhand von Beispielen aus deren Erfahrungswelt erklären: Etwa, dass sie „sehen“, wenn ein Freund oder eine Freundin einen Scherz macht, indem sie es auf deren Gesicht erkennen. Kinder und erwachsene Menschen mit Autismus „sehen“ solche speziellen Dinge nicht so einfach. Sie sind zwar nicht blind, aber zu erkennen, ob etwas ernst oder als Scherz gemeint ist, ist für sie nicht so leicht. Dafür sehen diese Menschen oft Dinge, die das Kind selbst im Normalfall nicht erkennt. Beispiele hierfür können kontextabhängig gewählt werden. Diese Erklärung kann bei Kinder mit Autismus analog funktionieren – Natürlich sollte man hier allerdings umgekehrt erklären, dass andere Menschen z.B. Ironie „sehen“.

Was bei einer Erklärung von Autismus Kindern gegenüber auf jeden Fall wichtig ist, ist die Vorgabe, wie sie richtig damit umgehen: Missverständnisse können zu Frust führen. Deshalb ist es wichtig, Menschen mit Autismus gegenüber möglichst klar zu sagen, was man meint. Es gilt, Kindern früh zu zeigen, dass Autismus keine Krankheit ist, sondern eben eine andere Art, die Welt wahrzunehmen. Kinder sind für Neues besonders offen und haben keine Vorbehalte oder Vorurteile – Man kann ihnen also nicht früh genug vermitteln, wie wichtig ein gesunder und respektvoller Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen ist.

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