Studieren mit Autismus

Autismus und Studium – passt das zusammen? Fakt ist: Viele Menschen im Autismus-Spektrum gehen zu einer Universität. Für die einen ist die Uni leicht, für andere von einigen Herausforderungen geprägt. Wichtig sind vor allem Information, Planung und Orientierung.

Warum überhaupt studieren

Am Anfang steht die richtige Motivation. Wieso studiert man überhaupt? Um danach einen tollen Job zu haben? Es stimmt, dass ein Studium aufgrund der höheren Qualifikation die Jobchancen erhöhen kann. Vor allem, wenn man als Mensch im Autismus-Spektrum gegebenenfalls eine erschwerte Jobsuche hat. Beim Studium sollte jedoch das Interesse am Fach im Vordergrund stehen. Wer eine Leidenschaft für die Themen seines Studienfachs hat, der wird ganz anders an Herausforderungen herangehen und diese meistern können.

Das bedeutet auch: Das Studium kann ausgeprägte Spezialinteressen in nützliche Qualifikationen verwandeln. Wer bereits durch reines Interesse sehr viel zu einem bestimmten Bereich weiß, kann diese Kenntnisse in einem Studium weiter vertiefen und für die Forschung einsetzen.

Veränderte Lebensumstände erfordern eine neue Anpassung

Mit dem Studium hängen viele Veränderungen der Lebenssituation zusammen, an die man sich gewöhnen muss. Viele ziehen von zu Hause aus, vielleicht sogar in eine etwas weiter entfernte Stadt. In der neuen Wohnumgebung muss man sich orientieren: Wo sind die nächsten Lebensmittelgeschäfte, Ärzte, Apotheken, wie ist die Verkehrsanbindung, wo befinden sich die Haltestellen? Auch auf dem Campus selbst muss man sich erstmal zurechtfinden: Wo sind die Hörsäle und Seminarräume, die Bibliothek und die Mensa?

Für die meisten dieser Fragen kann man heutzutage online Antworten finden und sich beispielsweise einen Lageplan der Uni herunterladen. Für sogenannte „Ersties“, also Studierende im ersten Semester, gibt es bei den meisten Unis in der ersten Studienwoche zusätzliche Orientierungsangebote und Campusführungen. Denn hier geht es allen gleich – jeder muss sich an die neue Situation anpassen und gewöhnen. Wer im Autismus-Spektrum ist, muss sich nur gegebenenfalls etwas ausführlicher vorbereiten und sich mehr Zeit geben, sich an die veränderte Umgebung zu gewöhnen. Dafür kann es zum Beispiel hilfreich sein, sich auf dem Campus Rückzugsorte zu suchen.

Studienassistenz und Nachteilsausgleich

Die nächste Frage, die sich viele stellen, ist die nach Beratungs- und Hilfsangeboten. Konkrete Hilfestellung für Menschen mit Autismus gibt es leider an den wenigsten Unis. Für grundsätzliche Fragen zum Studium gibt es im Normalfall eine Studienberatung, an die man sich auch per E-Mail wenden kann. Und Fachschaftsvorsitzende sowie Dozenten bieten Sprechstunden an, oder sind ebenfalls per Mail erreichbar. An einigen Unis gibt es auch Angebote wie eine Studienassistenz oder einen Studienbegleiter. So jemand unterstützt bei allen Fragen der Studien-Organisation, von Prüfungsanmeldung bis hin zu Terminerinnerung.

Wer darüber hinaus Unterstützungsbedarf hat, kann einen Antrag auf Nachteilsausgleich stellen. Dieser Antrag wird beim Prüfungsamt des jeweiligen Studiengangs eingereicht. Hier gilt es, sich frühzeitig zu informieren und die Antragsfristen zu beachten. Mögliche Anpassungen, die mit einem Nachteilsausgleich vorgenommen werden können, sind unter anderem: Prüfungen in einem separaten Raum schreiben können, die Fristen von Haus- und Abschlussarbeiten zu verlängern, die Nutzung von technischen Hilfsmitteln oder auch Einflussnahme auf den Sitzplatz.

Ein unterstützendes soziales Umfeld

Studieren bedeutet auch, eine Menge neuer Leute kennenzulernen. Der Umgang mit anderen Studierenden kann herausfordernd sein. Das Schöne am Studium ist aber: Man trifft Gleichgesinnte. Die meisten werden sich aus Eigeninteresse für ihr Fach entschieden haben und so hat man mindestens ein gemeinsames Thema.

Darüber hinaus sind Studierende dem Anderssein häufig grundsätzlich offener und toleranter eingestellt. Hier besteht oft ein großer Unterschied zur Schule. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren, unter anderem aber einfach an der großen Vielfalt. Im Studium kommen Menschen aus unterschiedlichsten Städten, Regionen und Ländern, mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten zusammen. Diese Vielfalt lässt Unterschiede weniger wichtig erscheinen. Denn letztlich sind alle aus einem Grund an der Uni: Um ein Thema ihrer Wahl zu studieren und zu lernen.

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