Über Autismus sprechen

Ob als Außenstehender oder Betroffener – Viele wissen nicht, wie sie das Thema Autismus ansprechen sollen, oder vermeiden es lieber ganz. Wie kann man zwanglos über das Thema Autismus sprechen und wie kann man ein solches Gespräch vorbereiten?

Verschiedene Wege und gegenseitiges Verständnis

Es fällt uns Menschen oft schwer über wichtige Themen zu sprechen, bei denen wir uns unsicher fühlen. Wir wissen nicht, wie wir sie ansprechen sollen und aus lauter Furcht vor Missverständnissen sagen wir lieber gar nichts. Denn weder wollen wir das Gegenüber mit Worten verletzen, noch selbst vom Gegenüber verletzt werden.

Einige Menschen mit Autismus berichten, dass es ihnen mit dem Thema Autismus so geht. Dabei ist der Wunsch oft da: Mehr Wissen genauso wie Akzeptanz wäre schön, d.h. eine öffentliche Diskussion müsste stattfinden, um die Reichweite und das Verständnis zu steigern. Es ist aber auch so, dass viele Fehlinformationen zu dem Thema im Umlauf sind. Und viele Menschen mit Autismus fühlen sich nicht dazu in der Lage, diese zu korrigieren, oder haben Angst, dass sie dabei missverstanden werden.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch neurotypische Menschen, die vielleicht Kontakt zu einem Menschen mit Autismus haben und gerne einige Fragen zu ASS loswerden wollen – aber nicht wissen, wie.

Ein Gespräch planen

Manchmal ergeben sich solche Gespräche „wie von selbst“, dass heißt, man ist plötzlich mitten im Thema, ohne es bewusst angesprochen zu haben. Andere bereiten sich lieber bewusst darauf vor. Und in einigen Fällen geht es dabei um das Gespräch mit einer ganz bestimmten Person, das einem nicht leichtfällt. Doch so ein Gespräch kann man vorbereiten.

Wenn man so ein Gespräch plant, sollte man vorher abwägen, was man wie kommunizieren möchte. Das hängt auch davon ab, was man erreichen möchte. Als Außenstehender möchte man vielleicht bestimmte Fragen stellen, um Menschen mit Autismus besser zu verstehen, ist sich aber unsicher wie man es anspricht. Als Betroffener würde man vielleicht gerne informieren, weiß aber nicht wie. Ist man sich jedoch im Klaren darüber, was man eigentlich erreichen möchte, dann ist es einfacher seine Gedanken zu sortieren und Fragen oder Gesprächsthemen festzulegen.

Im Vorfeld kann man sich in Vorbereitung folgende drei Fragen stellen:

  • Was genau will ich mit dem Gespräch erreichen?
  • Was genau will ich sagen?
  • Wie sage ich das? (Tonfall, Gestik und Mimik spielen eine wichtige Rolle)

Der Beginn des Gesprächs

Bevor man mit dem eigentlichen Gespräch beginnt, welches man führen möchte, sollte man zunächst einleiten. Eine sachte und ruhige Einleitung in ein Gespräch macht dieses einfacher. Die Situation, die die Redewendung „mit der Tür in’s Haus fallen“ ausdrückt, – also das Gegenüber überrumpeln, ohne ihm eine Chance zu lassen, sich auf einen einzustellen –, sollte vermieden werden. Wer sich überrumpelt fühlt, neigt dazu, in eine Art „Verteidigungshaltung“ zu fallen und ein sachliches Gespräch ist dann nicht mehr so leicht möglich.

Eine Einleitung garantiert kein erfolgreiches Gespräch, aber sie schafft eine wichtige Basis dafür. Außerdem sollte man sich über den Zeitpunkt Gedanken machen. Am besten wählt man einen Zeitpunkt und Ort, an dem sich beide wohlfühlen und offen miteinander sprechen können.

Das Gespräch selbst

Für beide Seiten gelten ein paar Gesprächsregeln, die man grundsätzlich berücksichtigen sollte. Dazu zählt das Übliche: Den anderen ausreden lassen, gut zuhören, nachfragen, wenn man etwas nicht versteht und selbst ehrlich antworten. Wenn man als „Insider“ über das Thema Autismus spricht – sei es als Elternteil, Bruder, Schwester, Ehepartner oder Autist selbst – hilft es oft am meisten, ehrlich über seine eigenen Erfahrungen zu sprechen. Der andere wird merken, dass Sie wissen, wovon Sie sprechen und es wird ihm leichter fallen, selbst Fragen zu stellen.

Auf der anderen Seite, als „Außenstehender“, ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass das eigene Wissen über das Thema Autismus möglicherweise von Medien, unbewussten Vorurteilen oder auch Fehlinformationen beeinflusst sein kann. Bereit zu sein, dieses Wissen zu erweitern und sich aufklären zu lassen, Unwissenheit offen zuzugeben – damit ist meist schon die beste Basis für ein gutes Gespräch gegeben.

Es gibt auch einfache Gespräche

Der wichtigste Punkt ist: Nicht jedes Gespräch über Autismus ist schwierig oder muss es sein. Ganz im Gegenteil: Wenn beide Seiten, Neurotypen und Menschen mit Autismus, sich aufeinander einlassen und eine offene Grundeinstellung mitbringen, können die besten Gespräche stattfinden. Das ist wiederum die beste Grundvoraussetzung dafür, dass generell in der Gesellschaft ein besserer Austausch zum Thema stattfindet, Missverständnisse aufgeklärt werden können und ein breiteres Verständnis zum Thema gefördert wird.

Und: Die hier genannten Tipps gelten prinzipiell für jedes Gespräch. Egal ob Sie sich über etwas informieren möchten, jemandem eine vielleicht unangenehme Frage stellen möchten, Sie jemandem etwas Wichtiges erzählen möchten, oder Sie sich in ein Gespräch einbringen möchten. Das Wichtigste sind eine überlegte Herangehensweise und ein bisschen Mut.

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