Urlaub mit Kindern im Autismus-Spektrum

Für viele Menschen bedeuten Ferien Sommer, Sonne, Strand. Mit anderen Worten: Ab in den Urlaub. Doch wie sieht es bei Familien aus, die ein Kind mit Autismus haben? Ein Kind, das klare Strukturen bevorzugt und dem plötzlich eine unstrukturierte Zeit bevorsteht – die Ferien.

Die Angst vor den Ferien

Manche Eltern empfinden es als ironisch, wenn ihnen „schöne Ferien“ gewünscht werden. Da diese Zeit oft besondere Herausforderungen für die Eltern mit sich bringt. Der Schulalltag bietet klare Strukturen und das Kind ist für eine gewisse Zeit betreut. Dabei stellt sich die Frage nach der Betreuung in der Ferienzeit allen Eltern, unabhängig davon, ob es sich um ein Kind mit Autismus oder ohne handelt. Hierbei ist jedes Kind mit seinen Bedürfnissen verschieden und braucht daher auch immer eine unterschiedliche Betreuung.

Allerdings begrüßen die meisten Kinder einen unstrukturierten Tag, der immer wieder neue Abenteuer bereithält. Menschen im Autismus-Spektrum mögen jedoch häufig klare Strukturen und fürchten Veränderungen. Fährt man in den Urlaub, führt das zwangsläufig dazu, dass es zu Veränderungen kommt. So kann es leicht zu einer Reizüberflutung kommen, durch optische und akustische Reize, aber auch durch Gefühle, die sich anstauen.

Gibt es für das Kind dann keine Rückzugsmöglichkeit, wie z.B. beim Check-In am Flughafen, kann es dazu kommen, dass ein Kind laut reagiert, um die anderen Reize zu überdecken. In solchen Momenten reagiert die Umwelt oft sehr unsensibel – „Wie haben Sie denn nur Ihr Kind erzogen?“ Dass Kinder jedoch immer einen Grund haben, auf eine bestimmte Art und Weise zu reagieren, wird nicht bedacht. Daher ziehen sich viele Familien mit Kindern, die irgendwie auf das Umfeld „anstößig“ wirken könnten, zurück. Sie vermeiden Ausflüge, gehen nicht in die Stadt und verzichten auf Urlaub.

Urlaub mit Kindern im Autismus-Spektrum

Jeder Urlaub mit einem Kind bedeutet zu einem gewissen Grad auch Stress für die Eltern. Besonders stressig wird es jedoch, wenn die Eltern wissen, dass der eigentlich entspannende Urlaub für ihr Kind eine Belastung ist. Einige verzichten deswegen ganz auf den Familienurlaub, andere finden für das Kind eine Betreuung und fahren ohne es in den Urlaub. Die dritte Gruppe bleibt bei ihrem Vorhaben und tritt die Reise gemeinsam an.

Um solch eine wichtige Entscheidung zu treffen, hilft es oft, sich mit der Familie zusammenzusetzen und ehrlich darüber zu reden. Was sind die Wünsche, Hoffnungen und Ängste? Manche Kinder können sich relativ schnell auf neue Umgebungen einstellen, andere brauchen ein paar Tage. Sollte Ihr Kind vier bis fünf Tage brauchen, bis es sich eingewöhnt hat, sollten Sie vielleicht überlegen zwei Wochen am Stück an dem Urlaubsort zu verbringen, anstatt zweimal eine Woche in den Urlaub zu fahren. Eine gute Planung kann auch schon vieles an Druck wegnehmen, wenn alle wissen, was sie zusammen unternehmen wollen.

Gerade in einer Zeit, in der alles immer besser, schneller, höher und weiter sein muss, tut es gut einfach mal einen Schritt zurück zu machen und Ruhe zu suchen. Daher entdecken immer mehr Menschen einen Urlaubsort für sich, der wegführt von den ganzen äußeren Reizeinflüssen. Manche fahren dafür auf einen Bauernhof, suchen sich einen kleinen Ort in den Alpen oder gehen sogar für ein paar Tage ins Kloster.

Ferienangebote für Menschen mit Autismus

Auch wenn sich ein Mensch mit Autismus vor Veränderungen fürchten sollte, heißt das noch lange nicht, dass er nicht in den Urlaub fahren möchte. Menschen mit Autismus fällt es manchmal leichter sich zu entspannen oder Kontakte zu knüpfen, wenn sie mit anderen Menschen im Autismus-Spektrum zusammen sind. Hier treffen sie zumeist auf Menschen, die ihr Verhalten so akzeptieren wie es ist, ohne sich erklären zu müssen. Einige Vereine, Gruppen oder Projekte bieten gezielte Angebote für die unterschiedlichsten Personengruppen an. Manche stellen auch Hilfe bei der Organisation eines Urlaubes bereit.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog